2007/02/23

Dunkelrot

Sie spricht nichts von Bedeutung.
Nichts, als die Lust auf ein Zimmer.
Eine Nummer.
Warum schminkt sie sich die Lippen Dunkelrot?

Sie ist noch nicht alt,
nicht jung;
ein Koffer aus Plastik
mit Leder verziert.

Und die Umhängetasche?
Kleinigkeiten
und alle Wichtigkeiten dieser Welt.

Die Frau,
hennagefärbte Haare -
am Ansatz blond –
hat einen gültigen Pass,
eine Identität,
einen Status,
einen Koffer,
schiefe Absätze.

Wer will wissen,
warum sie sich so abgenutzt haben?
Hat sie den Koffer aus dem Warenhaus?

Sie hat es eilig.
Nicht eilig genug,
um ein Bild an der Wand zu betrachten,
und die halbgenaue Uhr,
welche Mitternacht zeigt.

Sie,
die Frau,
im zerknitterten Mantel,
der jede Form verbirgt,
sie hat Zeit genug, keine Zeit zu haben.

Sie wird ein Zimmer beziehen.
Frisch gelüftet mit dem Regen;
ein frisch bezogenes, zu weiches Bett.

Keine Ansprüche.
Nicht diese Nacht.
Im Hotel.

Fein säuberlich wird sie ihre wenigen Kleider auf der Matratze ausbreiten,
sie alle auf Bügel hängen,
barfuss das Fenster einen Spalt öffnen.

Sie hört dem Regen zu.
Den Geräuschen.
Eine fremde Stadt.

Irgendetwas wird sie denken, das niemand weiß.
Und möglicherweise fährt sie sich mit der Zunge über die Lippen,
um sich im selben Moment gewiss zu sein,
dass sie niemand sieht.

Sie könnte nackt am Fenster stehen.
Dem Regen zuhören.
In dieser fremden Stadt.
Und dem Hotel voller leerer Geräusche.

Sie schweigt,
weil sie das am besten kann,
und das Bett sowieso keine Antwort parat hat.
Auch nicht die vergilbten Vorhänge.

Und sie zieht sich die Lippen nach.

Dunkelrot.
Dunkelrot.

Keine Kommentare:

La re fa re...

Berlin, Berlin-Brandenburg, Germany

DaDa

DaDa
(c) 2006 by salaZ.